01. Herbst
02. Boicycle
03. Schnuppe
04. Marsch der Träumer
05. Prélude in e-moll
06. März
07. Reprise

Release: 18.05.2018

Jan Roth

Jan Roth, der große, freundliche Mann, sitzt immer noch überwiegend gern vorm Haus im Licht und lässt Zeit und Geschichte passieren. Während die Welt sich so dreht, beschäftigt er sich mit Musik, Liebe und gutem Essen; für ihn im Großen und Ganzen eins. Als jemand, der viel unterwegs und nur kurz zu Besuch ist, hätte er viel zu erzählen. Von anderen Orten, anderen Möglichkeiten, einem besseren Umgang und schöneren Lösungen. Allerdings ist er zu höflich, seinem Gegenüber ins Wort zu fallen. Sei es drum, er muss dann mal weiter, reicht seine Hand und überlässt uns wieder uns selbst. Wenigstens lässt er uns diskret für spätere Einsicht eine sonderbare Kostbarkeit hier: Jan Roth - Kleinod.

Mit "L.O.W." hat Jan Roth vor vier Jahren ein wunderschönes wie seltsames Album veröffentlicht. In einer ungeplanten Tourpause sitzt er in seinem WG-Zimmer in einer ehemaligen Nervenklinik irgendwo draußen im Nichts vor irgendeiner mittelgroßen mitteldeutschen Stadt. Bevor er nichts tut, sampelt er sich durch seinen kompletten Hausrat und komponiert daraus und aus seinem sachten Klavierspiel acht Bonmots hymnischer Unaufdringlichkeit. Und die finden die richtige Aufmerksamkeit. Arte und Zeit Online äußern sich hier genauso wohlwollend wie andernorts XLR8R oder Famemagazine. Das Album erhält den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und wird ein Bandcamp-Liebling. Das farbenfrohe Video zu "Einundzwanzig" findet sich genauso auf geschmackvollen Festivals wieder wie in Kinovorführungen für Kinder geflüchteter Menschen.

Danach mariniert Roth gut drei Jahre lang. Für die Stücke des zweiten Albums probiert er verschiedene Ansätze: Piano Solo, vielleicht mit Beats, vielleicht nur Beats, es könnte jemand anderes Klavier spielen, warum nicht Syntheziser? Es geht nicht auf. Zudem ist er inzwischen aus seinem seltsamen Zimmer ausgezogen: das bisherige Klangmaterial ist als Ausgang nicht mehr zugänglich. Und nicht mehr maßgeblich. Roth entscheidet sich fürs Abwarten. Er jagt der Musik nicht nach, sie passiert ihm einfach irgendwann. So wie der Gedanke, die neuen Ideen einfach mit einer echten Band einzuspielen. Das ist dann schließlich in vier bis fünf schönen Tagen erledigt.

"Kleinod" ist ein Bandalbum geworden. Das Album einer Band allerdings, deren Beteiligte sich im Zweifel lieber gegenseitig Platz lassen. Roths zurückhaltendes Piano eint die sieben Stücke des Albums. Jedoch eher als zugrunde liegende Textur und seltener im Vordergrund. Sein "all-time-favourite" Bassist Alex Binder, mit dem er auch zusammen in der krautigen Jazzkapelle 'Trio Schmetterling' spielt, vor allem aber Schlagzeuger Maximilian Stadtfeld verleihen den Stücken mit ihrem wohl gesetzen und luftigen Spiel den übergeordneten Charakter. Schließlich feierlich zum Leuchten gebracht aber wird die Musik durch Antonia Hausmann und Fritz Moshammer an Posaune, Klarinette, Trompete und Flügelhorn. Während erstere von vornherein mit eingeplant ist, hält sich letzterer gerade für ein paar Tage in der Stadt auf "und hatte nichts besseres zu tun... Die Magie des Zufalls." so Roth. "Diese vier Edelsteine machten es mir sehr einfach, das Klavier zu spielen."

Das Album eröffnet mit einem großen Versprechen. "Herbst" setzt mit seinem sachten und offenen Klavier den Rahmen. Das Stück zeichnet in warmen Tönen weniger den Ausblick auf einen dunklen Winter als vielmehr den Blick zurück auf einen langen und großartigen Sommer. "Boicycle" ist der Junge, der das Fahrradfahren lernt, genau in dem Moment, wenn die stützende Hand den Gepäckträger los lässt: wacklig und überwältigt und stolz wird die neue Freiheit erobert. Mit dem überaus grazilen Stück "Schnuppe" lässt Roth ausrichten, dass ihm kein Stern schnuppe sei. Ein Fall fürs Phrasenschwein. Oder aber einfach: ist eben so.

Die traumwandelnden Wendungen und Melodien sowie das sensationell behutsame Basssolo in "Marsch der Träumer" huschelt Roth in die Decke seines schlendernden Pianospiels, um anschließend Chopins Prélude in e-moll mit einer pastellenen Coverversion in Anmut vergehen lassen. Vom letzten Aufbegehren der winterlichen Melancholie erzählt danach "März". Die düstere erste Hälfte löst sich nach und nach komplett auf und zelebriert die Kraft des Frühlings in einem strahlenden Bläserfinale. "Reprise", das letzte Stück des Albums, fasst dann alles noch einmal mit einem lächelnden und einem weinenden Auge zusammen.

"Kleinod" ist besten Wortsinne ein echtes Schmuckstück. Persönlich wertvoll, mit leichter Patina, diversen Schrammen und der einen oder anderen bedeutungsvollen Delle. Aufgeladen mit wichtigen Geschichten und Erinnerungen, mit Würde und voller Liebe. "'Kleinod' ist keine Flucht vor der Realität", sagt Roth selbst. "Vielmehr ist es eine bestimmte Art, auf die Dinge zu blicken, die gerade in der Welt passieren - durch die Augen von jemandem, der es tatsächlich einfach nur ulkig findet, was die Menschen mit sich und ihrem schönen Planeten anstellen. Kämpfen, Hasten, ständiges Vergleichen, Konkurenz, Hass - das ist für Anfänger! Aber ich bin nicht hier, um auf andere zu zeigen." fügt er hinzu. "Ich biete nur an. Macht damit, was Ihr wollt. Es ist mir wirklich egal. Na ja, oder..."

English:

Jan Roth, the tall, friendly man, enjoys sitting in the light at the front of his house, letting time and history pass him. As the world revolves, he deals with music, love, and good food; generally, for him, they're all the same thing. As someone who is on the road a lot and only for short visits, he should have a lot to say. About other places, other people, other ways of handling the world and attempting to offer better solutions. However, he is too polite to speak. Be that as it may, he has to leave, and so, he reaches out his hand, and leaves us to ourselves again. At least, he discreetly leaves us a strange treasure for later insight: Jan Roth - Kleinod.

Four years ago, Jan Roth released a wonderfully strange album: "L. O. W." In an unplanned touring break, he sits in his shared room in a former psychiatric hospital somewhere out in the middle of nowhere in a mid-sized city in Central Germany. Before he does anything, he goes through all his household items, composes them, and records the sounds their movements make. And from his gentle piano, then, plays eight bonmots of hymnal unobtrusiveness, later combining together both sets of sounds, which later find their way onto the record. Which eventually leads him in the right direction. Arte and Zeit Online express themselves as benevolently as does the XLR8R and Famemagazine, his first album later receiving 'Preis der Deutschen Schallplattenkritik' (the German Record critics' award) and becoming a Bandcamp Weekly favourite. The colourful video for "Einundzwanzig" was also seen at tastelful indie festivals in cinema screenings for children of refugees.

After his initial release, Roth marinated for a good three years. For his second album, however, he tries different approaches: piano solo, maybe with beats, maybe only beats, someone else could play the piano, well, why not just use a synthesizer? It just didn't work. In addition to his new sound, he has since moved out of his strange room. The sound material used on his previous record, the household items, are no longer relevant. Which is why Roth decided to wait and see. He doesn't chase after the music, he says, it just happens to him at some point. Just like the idea to record his new ideas with a real band. The recordings are done in only a few beautiful days then.

"Kleinod" has become a band album. The album of a band, however, whose members prefer to leave space for each other. Roth's unobtrusive piano unites the seven other instruments played on the album; but more as an underlying texture in the background. His "all-time-favourite" bass player Alex Binder, and the "amazing" drummer Maximilian Stadtfeld, lend hand to the songs, with their airy playing, helping set the tone for the rest of Roth's album. Finally, Antonia Hausmann and Fritz Moshammer make the music shine even brighter with trombone, clarinet, trumpet and flugelhorn. While the former were planned from the outset, the latter just "in town for a few days, having nothing better to do. The magic of chance." says Roth. "These four gems made it very easy for me to play the piano." The album opens largely promising. "Herbst" sets the stage with Roth's signature, gentle and open piano. The piece draws in warm tones, less of a view of a dark winter and more a view that goes back to a long and great summer. "Boicycle" is about a boy who learns to ride a bicycle, just as the helping hand lets go of the handle bars: shaky and overwhelming at first, but alas, a proud conquer of a new freedom upon release. With the exceedingly graceful piece, "Schnuppe," Roth lets align that he is not a star, and... ugh, you can't translate that, sorry.

Roth cuddles the dream-churning twists and melodies in "Marsch der Träumer" into a warm blanket with his wandering piano playing, followed by a soft cover of Chopin's Prelude in E minor, which he lets fade away gracefully.  Afterwards "März" talks about the last rebellion of the winterly melancholy. The gloomy first half gradually dissolves and celebrates the power of spring in a radiant wind final. "Reprise", the last track of the album, summarizes everything with a smiling and crying eye.

"Kleinod" is a real gem in the best sense of the word. Personally valuable, with light patina, various scratches, and one or two significant dents. Loaded with important stories and memories, with dignity and full of love, "'Kleinod' is not an escape from reality," says Roth. "Rather, it is a certain way of looking at the things that are happening right now in the world - through the eyes of someone who actually just finds it funny what people do to themselves and their beautiful planet. Fighting, rushing, constantly comparing, competing, hating - that's for beginners! But I'm not here to point to others." he adds. "I'm just offering some solutions. Do whatever you want with it. I really don't care. Or do I..."


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BAND PICTURES:

Yeah But No

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Pictures by Sandra Ludewig

DATES:

23.11.2018 - DE - Berlin - Ex-Vulkan
05.12.2018 - DE - Zwickau - Kevin Brewery
22.12.2018 - DE - Erfurt - Retronom
15.01.2019 - DE - Berlin - Kantine am Berghain
16.01.2019 - DE - Dresden - Ostpol
31.01.2019 - DE - Jena - Café Wagner
01.02.2019 - DE - Hamburg - Nochtwache

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